Wovon handelt dein Roman „Fische im Trüben“?
Der Roman handelt von einer deutschstämmigen Familie im Kasachstan der Siebzigerjahre. Es geht um ihren Alltag, um Zugehörigkeit und Abgrenzung und um den Umgang einzelner Familienmitglieder mit der Katastrophe, die (spätestens) am 28. August 1941 über die deutschstämmige Bevölkerung in der Sowjetunion hereingebrochen ist.
Deutschlandfunk Kultur schreibt, du erzählst „von einer untergegangenen Welt“. Was hat dich motiviert, einen Roman über diese Welt zu schreiben?
Meine Eltern haben Kasachstan noch vor meinem ersten Geburtstag verlassen. Ihre Erzählungen über ihr Leben bis zur Ausreise kamen mir oft widersprüchlich vor. Einerseits hatten sie die besten Melonen, Äpfel und Tomaten, andererseits war immer klar, dass sie gehen würden, sobald sich die Möglichkeit ergibt. Dieser Widerspruch hat Auswirkungen auf alle Lebensbereiche; sein literarischer Wert liegt auf der Hand. Hinzu kommt: während meine Eltern von Sibirien und Kasachstan sprachen, erzählte meine Großmutter von mennonitischen Siedlungen an der Molotschna (Ukraine) und vom Nordkaukasus. Ein ziemliches Durcheinander von Orten, das ich einmal in eine nachvollziehbare Reihenfolge bringen wollte.
Was war eine interessante Erkenntnis, die sich aus der Recherche und der literarischen Auseinandersetzung mit dem Thema für dich ergeben hat?
Der Personenkreis, den ich befragt habe, ist sehr überschaubar. Anfangs dachte ich, ich müsse noch viel mehr Gespräche mit verschiedenen Leuten führen, um viel „Stoff“ zu generieren, habe aber bald erkannt, dass im Grunde jede Person genug Erinnerungen hat, um aus ihnen eine Geschichte zu entwickeln. Beim einen sind sie vielleicht präsenter, weil er selbst viel über sie nachgedacht hat, dem anderen muss man sie fast abringen, weil er sie für wenig erzählenswert hält. Aber genau diese Erinnerungen sind dann meistens besonders interessant.
Wie geht es jetzt weiter, arbeitest du an weiteren literarischen Werken?
„Fische im Trüben“ könnt ihr direkt beim Transit Verlag (hier) oder in jeder Buchhandlung erwerben.
Elli Unruh ist 1987 ist Kasachstan geboren, arbeitet am Deutschen Literaturarchiv in Marbach und lebt in Stuttgart.
Am 15. November 2025 fand zum zweiten Mal die Open Stage von o[s]tklick in Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat für Russlanddeutsche statt, dieses Mal in Stuttgart. Elli Unruh las eindrücklich aus ihrem Roman „Fische im Trüben“ über das Leben einer deutschstämmigen Familie in Kasachstan der 1970er Jahre. Die Songwriterin Sarah Penalba sang mehrere Popsongs, Katharina Eggert trug eigene Lyrik vor und Juliane Lipp stellte ihr Magazin Jolki Palki! über russlanddeutsche Kultur und Geschichte vor. Im Anschluss wurde die Möglichkeit des Get-Together auch noch rege genutzt, es kam zu lebhaften Gesprächen und neuen Kontakten – vielen Dank an alle, die dabei waren.